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Bezug Pensionskassenkapital

 

 

 

 

Pensionskassenkapital trotz Börsenkrise beziehen?

 

 

Wer pensioniert wird, kann bei vielen Pensionskassen wählen, ob er sein Alterskapital in Form einer lebenslänglichen Rente oder einer einmaligen Kapitalauszahlung beziehen will. Wegen der andauernden Börsenkrise ziehen viele Pensionäre wieder die sichere Rente vor, obwohl nach wie vor triftige Gründe für einen Kapitalbezug sprechen können.

 

Der grösste Vorteil der Rentenlösung liegt in der Einkommenssicherheit: Rentenbezüger haben nämlich die Gewissheit, dass die Rente bis an ihr Lebensende bezahlt wird. Ein wesentlicher Vorteil des Kapitalbezugs hingegen ist die weitaus grössere Flexibilität: Während beim Rentenbezug die Höhe der Renten vorgegeben ist, kann man beim Kapitalbezug völlig frei über das Geld verfügen. Damit lässt sich auch ein schwankender Einkommensbedarf sicherstellen. Vor allem in den ersten Jahren nach der Pensionierung braucht man häufig mehr Einkommen als in späteren Jahren, wenn die Leistungsfähigkeit altersbedingt allmählich nachlässt. Jedoch muss der Kapitalbezüger willens und fähig sein, das Kapital fortan selber anzulegen, und zwar so, dass das benötigte Einkommen bis zum Ableben sichergestellt ist. Gerade in schwierigen Börsenzeiten wie heute ist es wichtig, dass das bezogene Pensionskassengeld diszipliniert und nachsichtig angelegt wird. So sollte man nicht nur in Aktien, sondern abgestimmt auf die persönliche Einkommenssituation auch in konservativere Anlagen wie Obligationen, Festgelder und Kontoguthaben investieren.

Ein weiterer Nachteil der Rente: Stirbt der Rentenbezüger, erhält die Witwe eine gekürzte Witwenrente – in der Regel noch 60% der ursprünglichen Rente. Stirbt auch die Witwe, verfällt das noch nicht aufgebrachte Kapital zu Gunsten der Pensionskasse. Ein Konkubinatspartner sowie die übrigen Erben (zum Beispiel die Kinder) gehen dabei leer aus. Beim Kapitalbezug hingegen wird das noch nicht verbrauchte Kapital unter den Hinterbliebenen aufgeteilt.

 


Auch steuerliche Aspekte müssen berücksichtigt werden. Pensionskassenrenten sind vollumfänglich als Einkommen steuerbar. Beim Kapitalbezug hingegen fällt eine einmalige Steuer an. Diese auf den ersten Blick nachteilige Besteuerung kann aber langfristig oft durch Ersparnisse bei den Einkommenssteuern kompensiert werden. Denn im Gegensatz zur Rentenvariante müssen nur die mit dem Kapital erwirtschafteten Zinserträge und Dividendenzahlungen als Einkommen versteuert werden. Mit einer geschickten Anlagepolitik, bei der gezielt steuerprivilegierte Anlageinstrumente eingesetzt werden, resultiert beim Kapitalbezug ein Einkommen welches nur zu rund 30% steuerbar ist.

 

Der Rentenbezug ist zwar die bequemere, in vielen Fällen nicht aber die bessere Variante. Es lohnt sich, den Kapitalbezug trotz aktueller Börsenkrise zu prüfen. Schliesslich darf man erwarten, dass auf schlechte Börsenjahre auch wieder bessere folgen. Weil sich der Entscheid später aber nicht mehr rückgängig machen lässt, muss die gewählte Lösung auch langfristig – das heisst über die nächsten 20 bis 25 Jahre – die bessere sein. Mit dem Entscheid sollte man sich rechtzeitig auseinander setzen, denn ein Kapitalbezug muss bei vielen Pensionskassen bereits drei Jahre vor der Pensionierung angemeldet werden.

 

 

Vergleich zwischen Renten- und Kapitalbezug

Basis: Mann, 65 Jahre, Pensionskassenkapital 500'000 Franken, Wohnort Basel, reformiert

 

Pensionskassenkapital

 

500‘000

Kapitalauszahlungssteuer

50‘500

Kapital nach Steuern

449‘500

 

Erwartete Rendite pro Jahr auf Kapitalanlage

 

 

4 % 1

Kapitalverzehr innert

19 Jahren 2

Kapitaleinkommen pro Jahr

32‘900

 

 

 

 

Pensionskassenrente pro Jahr

36‘000

Einkommenssteuer pro Jahr

- 9‘000 3

Renteneinkommen pro Jahr

27‘000

Þ Vorteil Kapitalbezug: Fr. 5‘900

1 Angenommene Nettorendite pro Jahr

2 Entspricht der durchschnittlichen Lebenserwartung eines 65-jährigen

3 Angenommener Grenzsteuersatz: 25%

 

 

 


 

 

Steuern beim Bezug von Pensionskassenkapital

 

 

Wer sich sein Pensionskassenkapital auszahlen lässt, wird je nach Kanton unterschiedlich stark vom Fiskus zur Kasse gebeten. Mit einer rechtzeitigen Planung der Pensionierung lassen sich jedoch mehrere Tausend Franken Steuern sparen.

 


Kapitalbezüge aus der 2. Säule besteuern alle Kantone getrennt vom übrigen Einkommen. Wie bei der Einkommenssteuer steigt der prozentuale Steuerbetrag mit zunehmender Kapitalhöhe.

 

Die grössten Steuerunterschiede ergeben sich auf Ebene Kanton. Beispielsweise zahlt ein 65-jähriger, verheirateter und reformierter Steuerpflichtiger in Zug für einen Pensionskassenbezug von 750'000 Franken insgesamt 52'600 Franken Steuern. Mit 149'000 Franken fast dreimal so viel für den gleichen Auszahlungsbetrag verlangt Delsberg im Kanton Jura. Auch die Gemeinden beteiligen sich am Vorsorge-Geldsegen unterschiedlich stark, allerdings fallen die Unterschiede in der Regel bedeutend geringer aus als auf kantonaler Ebene. Immerhin aber ist bei 1 Mio. Franken Pensionskassenkapital etwa die Gemeinde Muri im Kanton Bern mit 146'800 Franken insgesamt um fast 17‘000 Franken günstiger als der Kantonshauptort Bern. In der im gleichen Kanton gelegenen Gemeinde Thun fiele die Steuerrechnung mit 170'200 Franken sogar um 23'400 Franken höher aus als in Muri.

 

Wer die Steuern beim Bezug von Vorsorgekapital optimieren will, hat zwei Möglichkeiten: Erstens den Umzug und damit die Verlegung des Steuerdomizils in eine steuergünstigere Gemeinde oder einen steuergünstigeren Kanton. Dieses Manöver lohnt sich vor allem bei grösseren Kapitalbezügen, wo die Unterschiede bei mehreren Zehntausend Franken liegen können. Zweitens lassen sich auch mit einer zeitlichen Staffelung der Bezüge von Kapitalien aus der zweiten und der gebundenen dritten Säule erheblich Steuern sparen, denn in der gleichen Steuerperiode ausbezahlte Vorsorgekapitalien werden in den meisten Kantonen für die Bestimmung des Steuersatzes zusammengezählt.

Kapitalauszahlungssteuern auf Pensionskassenkapital für Verheiratete

Kapitalauszahlungssteuern inklusive Bund, Kanton, Gemeinde und Kirche (reformiert) in Prozent des Kapitalauszahlungsbetrages, Alter bei Auszahlung 65 Jahre; Stand: 2002  OHNE GEWÄHR

 

 

Kapitalauszahlungsbetrag in Franken

Kantonshauptorte

500‘000

750‘000

1'000‘000

Aarau

AG

58‘135

92‘105

125‘683

Altdorf

UR

57‘453

87‘150

116‘200

Appenzell

AI

53‘885

102‘189

151‘661

Basel

BS

50‘543

78‘540

105‘890

Bellinzona

TI

30‘853

70‘155

127‘632

Bern

BE

63‘142

110‘682

163‘650

Chur

GR

35‘585

78‘129

129‘680

Delsberg

JU

84‘205

148‘650

213'451

Frauenfeld

TG

63‘947

117‘122

170‘419

Fribourg

FR

62‘723

98‘730

133‘730

Genf

GE

43‘833

68‘549

92‘719

Glarus

GL

42‘603

76‘622

115‘710

Herisau

AR

43‘653

67‘563

106‘378

Lausanne

VD

58‘518

93‘191

127‘217

Liestal

BL

28‘074

45‘286

83‘924

Luzern

LU

50‘679

76‘989

102‘651

Neuenburg

NE

48‘916

74‘344

99‘125

Sarnen

OW

46‘758

71‘539

95‘673

Schaffhausen

SH

38‘122

60‘119

81‘469

Schwyz

SZ

36‘928

67‘404

96‘600

Sitten

VS

43‘267

81‘857

128‘652

Solothurn

SO

40‘173

62‘385

83‘180

St. Gallen

SG

40‘990

69‘794

112‘952

Stans

NW

42‘867

65‘400

87‘201

Zug

ZG

33‘791

52‘828

71‘218

Zürich

ZH

50‘219

97‘344

149‘250

1 Gemeindesteuern 2001

 

 

 


Wer in einigen Jahren pensioniert wird, kann mit einer langfristigen Steuerplanung viel Geld sparen. Den für eine zeitliche Staffelung der Bezüge notwendigen Spielraum bietet zum Beispiel die Säule 3a, die bis 5 Jahre vor dem regulären AHV-Alter abgerufen werden kann. Der Bezug eines Freizügigkeitskontos hingegen kann sogar um maximal 5 Jahre nach dem regulären AHV-Alter aufgeschoben werden. Noch mehr staffeln kann, wer seine 3a-Einzahlungen auf verschiedene Bankkonti getätigt hat und sich diese dann in verschiedenen Jahren auszahlen lassen kann.